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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Schwarze Messe

Eine Parodie auf die katholische Messe, häufig als das zentrale Ereignis des Hexensabbats im europäischen Hexenwesen beschrieben. Volkstümlichen Vorstellungen zufolge wurden solche Messen zu Ehren des Satans gefeiert, wobei in bewusster Widerlegung des christlichen Zeremoniells eine nackte Frau als Altar für die rituelle Schändung der heiligen Hostie diente. In Wirklichkeit aber gab es in der gesamten Geschichte rund um den Globus nicht eine einzige dieser Zeremonien, die von Hexen abgehalten wurde, sondern vielmehr einen Wirrwarr von Riten irreligiöser Natur, die der schwarzen Messe ähnelten und daneben auch ganz andere Züge trugen.
Obwohl die schwarze Messe der Volksmythologie mit ihrem blasphemischen, antichristlichen Charakter und stark ausgeprägten sexuellen Inhalt eigentlich eine relativ neue Erfindung ist, der populäre Bücher und Filme noch Vorschub leisten, lassen sich ihre Wurzeln über tausend Jahre zurückverfolgen. Es gibt nur wenige erhaltene Aufzeichnungen von Geständnissen, in denen beschrieben ist, wie man vor dem neunzehnten Jahrhundert schwarze Messen feierte. Der Begriff selbst wurde erst gegen Ende des Jahrhunderts benutzt. Viele „erklärte” Hexen gaben jedoch zu verstehen, dass die angeblichen Hexenzirkel, denen sie angehörten, bei ihren Treffen abgewandelte Versionen christlicher Rituale praktizierten und zweifellos der einen oder anderen Art sexueller Verderbtheit frönten. Ob diese Ereignisse wirklich stattfanden, ist sehr fraglich, da die Geständnisse auf der Basis von Suggestivfragen zustande kamen, mit denen man die Verdächtigen oftmals nach längerer Folter konfrontierte. Dass die wirklichen Erfinder der schwarzen Messe die Befrager selbst waren, die solche Ideen entwickelten, um ihre eigenen Taten zu rechtfertigen und davon zu profitieren, ist hinreichend bewiesen worden.
Bereits im siebenten Jahrhundert verdammte der Kirchenrat von Toledo den Brauch einer mysteriösen, halbreligiösen Zeremonie, die man „Messe der Toten” nannte, und die abgehalten wurde, um den Tod eines benannten Opfers mittels Magie herbeizuführen. Dazu gehörte im wesentlichen das Lesen einer Totenmesse, in die der Name des noch lebenden Feindes ein-gefügt wurde, der dann im Verlaufe einiger Tage ganz gewiss sterben würde. Unterdessen hielten in der Gascogne in Südwestfrankreich Berichten zufolge Geistliche „La Messe de St. Secaire” ab, in der sie durch Magie den Tod eines Feindes bewirkten. Während der Zeremonien hatte der Priester geschlechtlichen Verkehr mit einer Frau, die dann als Altar diente, während der Geistliche eine schwarze dreieckige Hostie weihte und Wasser aus einer Quelle segnete, in der ein Kind ertränkt worden war. Ähnliche Messen wurden auch anderswo abgehalten, um die Liebe einer bestimmten Person zu gewinnen, um einen geliebten Menschen zur Rückkehr zu veranlassen und eine Vielzahl anderer Wünsche zu erfüllen. Die seltsame, ebenfalls in der Gascogne zelebrierte „Messe des Heiligen Geistes” glich dem christlichen Original nahezu aufs Wort - mit der Ausnahme, dass sie Gott angeblich dazu nötigte, jeden Wunsch, den man äusserte, zu erfüllen.
Es kam vor, dass bei manchen Zeremonien die führende Hexe den Teilnehmern einen Kelch mit Wasser anstelle des beim Abendmahl üblichen Weins reichte, eine von Fäulnis schwarze Rübe oder gar einen alten schwarzen Stiefel anstelle der christlichen Hostie segnete. Auch mögen Gebete an den Teufel gerichtet worden sein, seine „Gemeinde” zu beschützen; dies ist in den Augen einiger Soziologen von Bedeutung, die geneigt sind, solche Appelle als Ausdruck des politischen Protestes gegen eine tyrannische herrschende Klasse zu interpretieren. Diese Auslegung jedoch erklärt kaum die bekannte Geschichte von der schwarzen Messe, die 158o auf Anweisung der Königin Katharina von Medici, der mächtigsten Frau in Frankreich, gefeiert wurde. Dem Bericht in Jean Bodins Schrift De la demonomanie des sorciers zufolge gab ein Geistlicher einem kleinen Jungen eine Hostie, worauf diesem die Kehle durchgeschnitten wurde; sein Blut sollte in einer schwarzen Messe verwendet werden, um die Gesundheit des Sohnes der Königin wiederherzustellen.
Francesco-Maria Guazzo gab die Beschreibung einer jungen Hexe über eine schwarze Messe wieder, die 1594 in Aquitaine in Südwestfrankreich gefeiert worden war:
Sie führten auch eine Karikatur der Messe auf, die von jemandem zelebriert wurde, der in einen schwarzen Chorrock ohne eingewebtes Kreuz gekleidet war. Während des heiligen Opfers und der Erhebung der Hostie hob er ein Stück oder eine Scheibe von einer schwarzfleckigen Rübe in die Höhe, worauf sie alle einstimmig herausschrieen: „Meister, hilfuns!” Der Kelch enthielt Wasser statt Wein, und ihr Weihwasser stellten sie folgendermassen her: Die Ziege pisste in ein Loch im Boden, und dieses unverdünnte Wasser sprengte der Zelebrant mit einem schwarzen Aspergill über alle hin.
Bei anderen Gelegenheiten sollen Hexen orthoduze christliche Zeremonien ausprobiert haben, the sie zu schwarzen Messen gingen, um ihre Ziele zu erreichen. In der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts fand in Frankreich ein aussergewöhnlicher Prozess statt, in den einige der höchsten Aristokraten Frankreichs verwickelt waren. In diesem Prozess wurde 168o eine als „LaVoisin” identifizierte Französin beschuldigt, eine traditionelle Messe zelebriert, dann aber, als diese Messe nicht half, eine weitere Zeremonie von mehr obszöner, okkulter Natur abgehalten zu haben: Dabei sei eine nackte Frau als Altar benutzt und den Zelebrierenden das Blut eines geopferten Kindes und eine aus Blut und Mehl bereitete Hostie gereicht worden.
Andere Hexen richteten es offenbar so ein, dass sie die Instrumente für ihre Zaubereien bei christlichen Messen heimlich segnen liessen, um ihnen so grössere Wirkung zu verleihen. Für gewöhnlich legten sie die besagten Utensilien dazu unter die Altardecke oder näherten sich einem Mitglied des Klerus, von dem sie wussten, dass er ein praktizierender Hexer war.
In den von angeblichen Hexen erpressten Geständnissen war meist auch von der Schändung der geweihten Hostie die Rede. Von manchen Hexen behauptete man, sie hätten die Hostie aus der Kirche gestohlen, um sie bei ihren eigenen Zeremonien zu entweihen, indem sie beispielsweise darauf urinierten. Solche Anklagen riefen wahrscheinlich selbst in jenen Menschen Abscheu hervor, die an der Realität der Hexerei zweifelten, und lieferten weitere Munition für das Arsenal der Hexenjäger, die $it eine strengere Verfolgung solcher „Feinde” der christlichen Gesellschaft eintraten. Auch verstümmelte christliche Gebete mögen in absichtlich unsinniger Art und Weise gesprochen worden sein. So wurden die Worte „Hoc est Corpus” aus der traditionellen Messe zu „Hokuspokus”, einer Redensart, die später in den täglichen Sprachgebrauch einging und jegliche Form von Geschwafel und Unfug bezeichnete.
Die aus der Zeit vor dem neunzehnten Jahrhundert stammenden bruchstückhaften Berichte über schwarze Messen legen nahe, dass die rituelle Anprangerung Jesu Christi und der Kirche für die europäischen Hexen in der nachmittelalterlichen Zeit nur untergeordnete Bedeutung hatte. Mit der Entwicklung des Satanismus von den neunziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts an, wurde jedoch ein sorgfältiger ausgearbeitetes und vorsätzlich antichristliches Konzept solcher Rituale geschaffen. Der vorrangige Zweck der schwarzen Messe sollte nun die Verehrung Satans und all dessen sein, was gegen das Christentum gerichtet war - eine Zelebrierung des Triumphes des Fleisches über den Geist. Die christlichen Zeremonien wurden nun bewusst auf den Kopf gestellt, Gebete rückwärts hergesagt, Kreuze von oben nach unten gedreht und alle Handlungen sorgfältig in ihr Gegenteil verkehrt. Nackte Frauen als Altäre und die gotteslästerliche Weihung schwarzer Hostien sind inzwischen zu unentbehrlichen Elementen der neu bestimmten, modernen Konvention geworden.

 

 

 

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