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Batman

Der Fledermausmann ist kein Bösewicht, sondern ein fanatischer Bekämpfer des Verbrechens. Allerdings sind die nächtlichen Auszüge Batmans gegen die Unterwelt mit soviel Düsternis gepaart, dass er dadurch selbst auf ewig mit der Dunkelheit verbunden scheint. Unterstrichen wird diese dunkle Note durch den Umstand, dass im englischen das phonetisch ähnlich klingende bad man böser Mann bedeutet.
Batman begann seine Karriere als Comic-Held. Als er 1939 auf den Markt kam, befand sich der amerikanische Comic Strip in seinem goldenen Zeitalter. Eine erfolgreiche Comicserie, zu der Batman schnell avancierte, erreichte ein Millionenpublikum. Besonders für die damalige Jugend bildeten die „komischen Streifen“ das wichtigste Medium. Der Schöpfer von Batman, Bob Kane, liess sich bei der Erschaffung seines dunklen Helden von den Fabelgestalten Zorro und von The Shadow, einem vermummten Wächter, der nachts durch die Grossstadt zu schleichen pflegte, inspirieren. Als Vorbilder für das Outfit von Batman kamen noch der einige Jahre vor ihm ins Leben getretene Superman und die Negativfigur aus dem 1926 gedrehten Film The Bat hinzu. Bei dieser Fledermaus handelt es sich um einen Schurken, der in einem Fledermauskostüm herumlief.
Der Lebensweg Batmans sieht folgendermassen aus: Unter dem Namen Bruce Wayne - der wohl nicht ganz unbeabsichtigt an Bob Kane erinnert - erblickt er als Millionärssohn die Welt. Als das Einzelkind miterleben muss, wie seine Eltern auf dem Heimweg vom Kino erschossen werden, markiert dieses Trauma zugleich die Geburt seines Alter Ego - Batman. Er beschliesst innerlich, zum Rächer der Opfer zu werden und die Verbrecher unbarmherzig zu richten. Alte amerikanische Vorstellungen von Lynch- und Do-it-yourself-Justiz werden in ihm wach. Er trainiert fortan Körper und Geist und nimmt einen Fledermaus-Look an, um bei seinen Rachezügen nächtlichen Schrecken in die Herzen der abergläubischen Verbrecher zu senken. Batman besitzt übrigens - im Gegensatz zu Superman - keine übernatürlichen Hilfsmittel. Er ist ganz auf sich gestellt. Aber dank seiner Fähigkeiten, die ihn als eine Synthese aus amerikanischem Pionier und nietzscheanischem Übermenschen erscheinen lassen, kann er die ungewöhnlichsten Dinge leisten. Neben seinem gestählten Körper machen ihn vor allen Dingen die verblüffendsten technischen Erfindungen, die sein Genie ausgeheckt hat, unschlagbar gegenüber der Verbrecherwelt.
Batman ist ein moderner Held aus dem Comicreich. Aber die besondere Faszination seiner Figur liegt wohl darin, dass er noch etwas anderes beinhaltet als die meisten Streifen-Helden. Held ist Batman nur nachts, tags über bleibt er der Müssiggänger Bruce Wayne. Zweifelsohne macht ihn gerade diese Gespaltenheit für zahlreiche Leser noch attraktiver, da ja auch sie nur nachts bzw. im Zustand einer träumerischen Projektion Held sein können, während sie in der grauen Tagwelt und vor den Augen ihrer Mirtmenschen doch wohl weit belangloser erscheinen dürften. Aber Batman taucht nicht nur ausschliesslich in der Dunkelheit auf, er wirkt auch selbst wie eine Figur aus dem dunklen Reich. Bei ihm bekommt das Gute den Beigeschmack des Bedrohlichen. Batman ist kein fröhlicher Strahlemann wie Superman oder die Sagengestalt eines Siegfried. Der dunkle Ritter Batman hat unverkennbar eine schwarze, melancholische Beimischung. Sein Fledermauskostüm, mit dem er die Verbrecher in Angst und Schrecken versetzen will, lässt auch beim normalen Betrachter Beklemnmg aufkommen; denn das Image der Fledermaus ist - nicht zuletzt dank Graf Dracula - eindeutig negativ besetzt. Die dunkle Aura Batmans wird nicht nur durch sein Kostüm bewirkt, sie liegt auch in seiner Seele begraben: Er verkörpert weit ausschliesslicher die Gestalt des Rächers als seine übrigen Heldenkollegen. Daher zieht er nicht zu fröhlichen Abenteuern aus wie diese, sondern will - bedingt durch sein traumatisches Kindheitserlebnis - Rache nehmen und töten.
Batman ist ein psychisch kranker Held, der nur dann Befriedigung findet, wenn er „Ungeziefer ausrotten“ kann. Die Gerechtigkeit, für die Batman eintritt, ist eine grausame Gerechtigkeit, eine der Furcht, Einschüchterung und dunklen Rache. Tod, Vernichtung und die Nacht sind die Ingredienzien, die Batmans Welt bilden.
Während die Batman-Comics von Anfang an einen düsteren Beigeschmack hatten, ging diese Note in den frühen Verfilmungen und vor allem in der in den sechziger Jahren produzierten Fernsehserie verloren. Hier geriet der düstere Rächer bloss zu einem wackeren Helfer einer etwas trotteligen Polizei, der sich - unterstützt von seinem jugendlichen Assistenten Robin - damit begnügte, seine Gegner mit ein paar flotten Sprüchen und kurzen Kopftreffern ausser Gefecht zu setzen. Danach wartete der Fernseh-Kreuzritter darauf, dass Polizei und Justiz den weiteren Teil der Arbeit übernahmen.
Der frühe Batman hingegen fungierte stets als Fahnder, Staatsanwalt und Richter in einer Person und räumte so die Strassen binnen kurzer Zeit auf. Erst die sehr erfolgreichen Neuverfilmungen: Batman (1989); Batmans Rückkehr (1992); Batman forever (1995) und Batman & Robin (1997) greifen die Gestalt des dunklen Rächers wieder auf und spinnen sie zugleich fort. Besonders die beiden erstgenannten Verfilmungen, in denen Tim Burton die Regie führte und Michael Keaton eindrucksvoll als Batman agiert, zeigen nicht nur einen dunklen Helden, sondern betonen auch Batmans Gebrochenheit, ja Gespaltenheit, sein Kindheitstrauma, seinen pathologisch-psychopathenhaften Charaktereinschlag und seinen Zwang zur Rache - und das heisst eben auch zum Töten. Ausleben darf Batman seine Psychose vor der düster-heroischen Kulisse von Gotham City, einem modernen Babylon übelster und zugleich faszinierendster Art. Ihre Architektur und ihre Bewohner geraten dabei in ihrem Design zu einer Überschneidung der „faschistischen“ dreissiger Jahre und der Jetztzeit. Gotham City, dieser mörderische Moloch, beinhaltet aber nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch ein Stück Zukunftsangst, nämlich davor, dass unsere Grossstädte immer mehr in Unübersichtlichkeit und Kriminalität versinken werden - was gleichzeitig ein Stück der neuen Attraktivität des Rächers und Retters Batman ausmacht.

 

 

 

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