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Parapsychologie
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Präkognition, voraus erkennen

Das Erfahren eines zukünftigen Sachverhalts oder Ereignisses, das nicht erwartet und nicht erschlossen werden kann.

Die besondere Schwierigkeit dieses Phänomens für das Denken besteht darin, dass die Kausalität aufgehoben ist, wenn die Erfahrung dem Reiz vorausgeht.

Deshalb werden und wurden z.T. ausserordentlich komplizierte Konstruktionen erfunden, die Scheinpräkognitionen beweisen sollen:

A hat z. B. einen Traum, in dem ein ihm unbekannter B in einer bestimmten Gegend einen Autounfall hat. A sucht jetzt telepathisch diesen B, nötigt ihn mentalsuggestiv, in die gesehene Gegend zu fahren, dort löst er psychokinetisch einen Defekt am Wagen aus und führt so den Unfall herbei.

Solche Konstruktionen bilden nicht nur ebenfalls eine ziemliche Zumutung für das Denken, sie versagen vor allem auch schon bei der Deutung der quantitativen Präkognitions-Experimente, wie sie Rhine an der Duke University durchführte:

Dabei war es Versuchpersonen möglich, die Reihenfolge der Symbole in einem Satz Zener-Karten anzusagen, der erst bis zu 10 Tagen später maschinell gemischt wurde.

Um einen psychokinetischen Effekt seitens der Versuchsperson auf das Mischen auszuschliessen, erfolgte das Abheben nach einem Schlüssel, dem die Differenz der Höchst- und Niedrigsttemperatur des Vortags zugrunde lag.

Hier scheint nur die Wahl zwischen Zufall und Präkognition möglich.

Zahlreiche Forscher versuchten eine Erklärung mit der Annahme eines zeitlosen Weltgedächtnisses (Gott), in dem alle Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft gespeichert ist und das telepathisch oder hellseherisch angezapft werden kann. Die Schwierigkeit dieser Vorstellung liegt darin, dass dabei eine Umsetzung von Zeitlosem in Zeitliches geschieht, ohne dass gesagt wird, wie diese Umsetzung zu denken ist.

 

Wieder andere erinnerten an Laplace (1812), der dargelegt hatte:

Ein Geist, der alle Kräfte der Natur und die gegenseitige Lage aller ihrer Geschöpfe kennen würde, könnte, wenn er stark genug wäre, alle diese Gegebenheiten der Rechnung zu unterwerfen, mit derselben Formel die Bewegungen der grössten Weltkörper und der kleinsten Atome erfassen. Nichts wäre für diesen Geist ungewiss, und die Zukunft wie die Vergangenheit lägen offen vor seinen Augen.

Dass das menschliche Unbewusste solcher Leistung fähig sein soll, erscheint jedoch ausserordentlich kühn.

Ausserdem, rügen manche Denker, wird mit dieser Vorstellung die menschliche Freiheit aufgehoben - was allerdings kein Argument für oder gegen die Präkognition wäre.

 

Neuhäusler (1957) entwickelte ein Präkognitionsmodell, bei dem die Freiheit bewahrt bleibt:

Der Sensitive sieht die Entwürfe möglicher künftiger Ereignisse - manche davon werden realisiert, andere nicht.

Damit vergleichen lässt sich die Vorstellung, dass in jedem Menschen Bilder existieren, nach denen er sein Leben ausrichtet.

Nimmt man diese Imagines (Imago) wahr (z. B. telepathisch), sind gewisse Aussagen über die Zukunft des Betreffenden mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit möglich.

 

Einen gänzlich anderen Ansatz zur Lösung des Problems boten jene Physiker, die auf akausale Geschehensabläufe im subatomaren Bereich verwiesen:

Was da möglich ist, könnte auch woanders möglich sein.

 

Rhine möchte auf physikalische Parallelen verzichten:

Psi, sagt er, ist nicht-physikalisch. Raum-zeitliche Gesetze sind für die Präkognition irrelevant.

In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass die Kategorie der Zeit nach Kant als Kontinuum gedacht werden kann. Das Kontinuum ist eine Modellvorstellung.

Deshalb wäre es zulässig für die Präkognition zu versuchen, ein anderes Zeitmodell zu entwickeln.

 

 

 

 

 

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