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Hexenwesen, Satanismus, schwarze Magie
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HEXE, MODERNE

Nach einer Hexenprozesswelle in Ungarn in der Mitte des 18. Jahrhunderts in deren Verlauf 143 Prozesse geführt wurden und 21 davon mit Todesurteilen endeten, sowie der Hinrichtung von Anna Göldi 1782 in der Schweiz fanden die gerichtlichen Hexenverfolgungen in Europa ein Ende. Jedoch wurden auf anderen Kontinenten Frauen als Hexen verfolgt und meistens illegal hingerichtet. Diese illegalen Hexenverfolgungen und -hinrichtungen konzentrierten sich auf drei Länder bzw. Kontinente:
• Lateinamerika: Schwerpunkt Mexiko. Von 1860 bis 1900 kam es in Mexiko zu Tötungen von Hexen. In Mexico-City wurden über 144 Frauen getötet.
• Indien: In den Westprovinzen werden einige Tausend Menschen in den Jahren 1948-1980 getötet.
• Afrika: Dieser Kontinent ist Zentrum der Hexenverfolgung, die bisweilen den Umfang der historischen Vorbilder erreicht. Ursachen sind die Entkolonisierung, die zur Zerstörung der traditionellen gesellschaftlichen Strukturen und religiösen Vorstellungen geführt hat. Hinter den afrikanischen Antihexereibewegungen verbergen sich oft Kämpfe zwischen verfeindeten Stämmen.

1900: Antihexereibewegung in Kenia.
1930: Antihexereibewegung in Sambia.
1940: Antihexereibewegung in Malawi.
1958: Antihexereibewegung im Kongo;
250 Personen wurden getötet. 1960: Antihexereibewegung in Tanzania. 1970-1984: Tanzania; ca. 4.000 Menschen finden den Tod bei diesen Verfolgungen. Davon sind 69 Prozent Frauen.
1977: Benin; Hexenjagd gegen alte Frauen, die man verdächtigt, an einer Tetanusepidemie schuld zu sein.
1996: Nordprovinzen Südafrikas; 300 Menschen werden wegen des Verdachtes der Hexerei illegal hingerichtet.
Die Zeit nach dem Ende der Hexenprozesse zerfällt im deutschsprachigen Raum in zwei Abschnitte, die durch ein bestimmtes Hexenbild geprägt sind: nämlich in die Zeit von 1800-1970 und in die Zeit ab 1970. Seither ist von den „Neuen Hexen” die Rede. Die neu-zeitliche Hexe bleibt eine Negativfigur, die man fürchtet und zugleich verachtet. Die Gestalt dieser Hexe ist zunächst geprägt von den im Volk weiterlebenden Vorstellungen, dass bestimmte Menschengruppen über die Fähigkeit verfügen, Menschen, Tieren und Gegenständen Schaden zufügen zu können. Obwohl zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Rationalismus blühte, die Aufklärung in den Schulen einzog und der Einfluss der Kirche sehr zurückging, erlebte die mag. Literatur eine Blütezeit. In diesen mag. Schriften, die oft unter dem Deckmantel der Hausväterliteratur verbreitet wurden, lebte das alte dämonologische Gedankengut weiter, wenngleich man nicht mehr an die Allmacht des Bösen glaubte. Der Teufel hatte seinen Schrecken verloren und war im Theater zur Figur des Hanswursts herabgesunken. Die Gestalt der Hexe wurde im Volksglauben entscheidend durch die Märchenhexe geprägt. Das traditionelle Muster von der Hexe und ihrem Verfolger, der als Hexenmeister oder Hexenbanner bezeichnet wurde, bestand zwar weiter, aber die Rollen hatten sich vertauscht. Bei den Hexenprozessen der Vergangenheit hatte der Hexenverfolger eine überragende Position, die ihm eine fast unbeschränkte Macht über die verfolgten Frauen verlieh. Der neuzeitliche Hexenbanner aber, der eine Frau als Hexe verdächtigte, setzte sich dem Risiko der strafrechtlichen Verfolgung wegen Beleidigung aus. Derartige Prozesse von Frauen, die der Hexerei beschuldigt werden, sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Frauen, die als Hexen verdächtigt werden, sind oft als Kartenlegerinnen, Wahrsagerinnen und Gesundbeterinnen tätig. Oft gehören sie zu den Randgruppen der Gesellschaft oder zu Familien, deren Vorfahren schon diesem Vorurteil ausgesetzt waren. Es sind Aussenseiter, gegen die sich das gesellschaftliche Vorurteil richtet, besonders wenn es in einer Gemeinschaft zu Konflikten und Spannungen kommt.
Während der NS-Zeit nahm sich die staatliche Propaganda des Hexenthemas an. Die Verfolgung der Hexen wurde in der Auseinandersetzung mit der christl. Kirche benutzt, um den Nachweis zu erbringen, dass die vom Judentum beeinflusste christl. Religion die germ. Frau, die einst dem Mann gleichwertig gewesen sei, entwürdigte. Die Zahl der hingerichteten Frauen wurde in den Propagandaschriften mit neun Millionen angegeben. Diese völlig überhöhte Zahl, die in den 70er Jahren oft von den „Neuen Hexen” kolportiert wurde, geht auf eine Schätzung des Stadtsyndikus von Quedlinburg, Gottfried Christian Voigt (1786), zurück. 1935 hatte der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, den Auftrag erteilt, alle Fälle von Hexenverfolgung zu dokumentieren. 13 fest eingestellte Hexen-forscher, die getarnt arbeiteten, konnten 33.846 Fälle dokumentieren. Himmler hoffte durch diese Untersuchungen Hinweise dafür zu entdecken, dass die H. einer heidnischen, arischen Religion huldigten.
In der Nachkriegszeit nehmen, bedingt durch den Zustrom von Flüchtlingen, die Verfahren zu, in denen sich als Hexen verdächtige Frauen wegen Beleidigung und übler Nachrede zur Wehr setzten. Gerade alleinstehende Frauen gerieten in dörflichen Gemeinschaften in eine Aussenseiterrolle und wurden als Hexe verdächtigt. Von den Strafverfolgungsbehörden werden diese Verfahren dem Bereich „Okkultkriminalität” zugeordnet. Zu diesen Okkulttätern gehören nicht nur die Hexenbanner, sondern auch Frauen und Männer, die die Heilkunde illegal ausüben. Durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes wurde 1955 festgestellt, dass Kranke nicht in die Hände von Unkundigen geraten dürften, die ihre Ängste und Leiden geschäftlich ausnützten. In Norddeutschland nahm sich besonders Johann Kruse der Opfer des Hexenglaubens an. Er gründete 1950 in Hamburg eine Anlaufstelle mit dem Namen „Archiv zur Bekämpfung des neuzeitlichen Hexenwahns” für alle vom Hexenglauben geschädigten Personen. Er forderte in zahlreichen Eingaben die staatlichen Stellen auf, gegen den besonders auf den Dörfern verbreiteten Hexenwahn vorzugehen. 1956 versuchte er ein Verbot des bekannten Zauberbuches 6. und 7. Buch Moses zu erreichen. Der zunächst erfolgreiche Antrag wurde in der 2. Instanz zurückgewiesen. Für die Endphase dieses Zeitraumes liegen einigermassen zuverlässige Schätzungen über die Zahl der Hexen und die Verbreitung des Hexenglaubens vor. 1969 wurde auf dem Ärztekongress in Kassel die Zahl der Hexenbanner mit mindestens 10000 angegeben. Kruse vertrat die Meinung, dass es in Norddeutschland in jedem Dorf eine als Hexe verdächtigte Frau gebe. Das Allensbacher Institut führte 1956 eine Umfrage über den Hexenglauben durch. Acht Prozent der Befragten bejahten, an Hexen zu glauben.
Die „Neuen Hexen”: Als 1951 in England der Witchcraft Act aufgehoben wurde, der die Hexerei unter Strafe stellte, setzte Gardner die Thesen von Murray in die Praxis um, indem er sie mit der Lehre von Crowley verband und begründete den Wicca-Kult. Die Nachfolger Gardners, Alexander Sanders, Leek und Buckland, setzten diese Tradition in den USA fort, wo sich dieser Hexenkult mit einigen Veränderungen einer noch grösseren Beliebtheit erfreute als in seinem Ursprungsland England. Die Anhängerinnen dieser Kulte bezeichneten sich in aller Öffentlichkeit als Hexen. Besonders die amerik. Feministinnen beschäftigten sich intensiv mit der Hexenthematik und sahen in den Hexen Vorkämpferinnen der Frauenbewegung. Anfang der 70er Jahre wurden diese Ideen von der europäischen Frauenbewegung begeistert aufgenommen, die in zahlreichen Ländern einen Kampf gegen das Abtreibungsverbot führte. Die Hexe wurde in dieser feministischen Bewegung zu einer Symbolfigur des weiblichen Widerstandes gegen die Männergesellschaft. In der Aktualisierung des Hexenthemas sah man ein Mittel, um die Geschichtslosigkeit der Frauenbewegung zu kompensieren. Die mittelalterliche Hexenverfolgungen wurden als Kampf der traditionellen christl. Gesellschaft gegen die Frauen ausgelegt. Einer der wichtigsten Gründe der Hexenverfolgung sei die Beseitigung der „weisen Frauen”, Hebammen, Ärztinnen etc., gewesen, die sich auf die Abtreibung verstanden hätten. So wurde die Hexe geradezu zur Symbolfigur des Kampfes für neue Abtreibungsgesetze. Radikale Feministinnen verbreiteten die Devise: „Jede Frau ist eine Hexe”. Nach ihrer Meinung besitzt die Frau ein besonders enges Verhältnis zur Natur, was schon das Vorbild der mittelalterlichen Hexen beweise. Sie seien nämlich Expertinnen für den Liebes- und Fruchtbarkeitszauber gewesen und besassen die Fähigkeit, das Wetter zu beeinflussen. Wenn die Frauen die in ihnen schlummernden Kräfte entdeckten und ausnutzten, dann würden sie über die Magie Macht erlangen. Der Weg dazu ist einfach: Man ist eine Hexe, wenn man dreimal laut sagt: „Ich bin eine Hexe!” - und das auch denkt. Aber nicht nur von Feministinnen wurde die Hexenthematik in die Öffentlichkeit gebracht, sondern es fanden auch bedeutende Ausstellungen zum Hexenthema statt. Der Hexe wurde 1973 in Paris zum erstenmal, wie die Zeitungen meldeten, eine Ausstellung gewidmet. Ähnliche Ausstellungen wurden 1979 in Hamburg, 1980 in Knittlingen, 1987 in Saarbrücken und Riegersburg, Österreich, veranstaltet. In diesen Ausstellungen wurden von einer grösseren Zahl von Wissenschaftlern die aktuellen Forschungsergebnisse anschaulich dem Publikum präsentiert. 1975 fand in Bogota, Kolumbien, der erste Weltkongress der Hexen statt. Zu einer Massendemonstration von 100000 Italienerinnen kam es 1977 in Rom, die sich mit dem Kampfruf „Zittert, zittert, die Hexen sind wieder da” für ein liberales Abtreibungsrecht und für die Emanzipation der Frau einsetzten. Die Hexenthematik stiess in der Öffentlichkeit im übrigen auf eine breite Resonanz, wie das Ergebnis einer Umfrage zeigte:

Bejahung des Hexenglaubens
Jahr                               in Prozent         in Mio.
1973                                    11                      6,8
1886                                    13                      8,3
1989                                    16                      9,8
1991 (nach der Wende) 14                    11,2

Diese Zahlen erhöhen sich noch, wenn man diejenigen Befragten hinzuzieht, die den Schadenszauber für möglich halten: 1989 waren dies 21 Prozent der Bevölkerung, was einem Drittel der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik entspricht. 1986 berichtete die Illustrierte Hör zu, dass es in Deutschland 10100 Hexen geben soll, die in 70 Städten in Bünden organisiert seien.


 

 

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